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reset

der urknall war eine simple programmschleife. die elemente verdoppelten sich immer und immer wieder in einer nicht messbaren zeitspanne. der begriff zeit kam für den hochgetakteten computer eigentlich erst bei programmbeginn auf, davor gab es nur raum, den er mit planetensystemen auffüllte. der benutzer und programmierer war ein alter mann mit weissen bart und grauen haaren. er wusste alles, wirklich alles. er sass hinter seinem computer, in einem stuhl, der einem thron ähnelte und schwebte irgendwo zwischen zeit und raum.
am anfang war alles ganz einfach. als die programmschleife genug elemente gebildet hatte, ordnete er ihnen gesetze zu, die sie in einen eindeutigen zusammenhang brachten. es entstanden elementgruppen, die im gegensatz zu anderen in gewisser weise einen prozess durchliefen und so einen minimalen grad an eigenleben entwickelten. (saurier)
zu diesem zeitpunkt - der computer hatte gerechnet und gerechnet - hatte das programm des alten mannes eine komplexität, die er selber nie für möglich gehalten hätte. er manipulierte die daten und hatte spass zuzusehen, wie sein elementenfeld sich stetig veränderte.

sean (mensch) war jetzt 24. tag und nacht arbeitete er an seiner diplomarbeit. sein freundes- und bekanntenkreis litt nicht unter der tatsache, dass er in letzter zeit kaum noch anderen beschäftigungen nachgehen konnte (wollte), denn er hatte nur wenige, aber gute freunde. sein bester freund, wenn man in seinem alter noch von einem besten freund sprechen konnte, war hendrik, den er eigentlich erst auf der universität richtig kennengelernt hatte. hendrik störte nie, wenn er unerwartet vorbeikam, denn er konnte sean immer mit guten tips weiterhelfen, oder er kam mit einem problem zu sean, welches sie dann gemeinsam lösten. er war ein freak, genau wie sein freund.
sein 32-bit rechner gab eine fehlermeldung aus. "illegal access detected in line 1637". der cursor sprang auf tastendruck in die zeile, die den fehler enthalten sollte. sean benötigte nicht lange, um den fehler zu finden. er hatte nur zwei buchstaben vertauscht. nach beseitigung des fehlers startete er sein programm von neuem. das programm sollte, wenn es fertig war, den bedarf von fast eintausend völlig verschiedener waren analysieren, der in einer stadt, abhängig von deren grösse, einwohnerzahl, geographischen lage und der jahreszeit anfiel. mit einer bisher nie dagewesenen genauigkeit. sean hatte sich statistiken aus dem archiv der uni besorgt, um diese als basis seiner berechnungen auszuwerten. jetzt fragte der computer ihn nach den einzelnen daten der simulierten stadt, und gerade als sean eine einwohnerzahl von eintausend pro quadratkilometer eingeben wollte, klopfte jemand an der tür. hendrik kam herein und sein blick fiel auf den bildschirm, auf dem gerade seins programm lief. hendrik kam mit einem problem, dass wohl kein computer auf der welt lösen konnte.

der alte mann war ein perfekter programmierer. er wusste, dass sein programm nie einen fehler enthalten durfte, weil es kompromisslos und absolut exakt ablaufen musste. schneller als er dachte, veränderten sich die elemente, und aus für den mann unerklärlichen gründen schiene seine elemente sich gegenseitig zu bekämpfen. elemente wurden gelöscht, und andere elemente, neue elemente entstanden. das programm lief schon sehr lange, und der alte war sich darüber im klaren, dass er sein fehlerfreies programm nicht mehr unterbrechen durfte. für einen kurzen moment zweifelte er, ob ein fehler einzig und allein in der tatsache zu suchen war, dass er das programm gestartet hatte.

"unsere haben letzte nacht einen flugzeugträger versenkt. eines unserer u-boote hat zwei torpedos abgefeuert, und es hat keine fünf minuten gedauert, bis das schiff gesunken war." seans augen unterbrachen den kontakt mit dem monitor und fixierten einen punkt an, der weit hinter der zimmerwand zu liegen schien. "die sind verrückt," sagte sean in den raum hinein ",was für einen scheiss werden sie als nächstes anstellen". hendrik erzählte ihm, dass vor der presse bekannt gegeben worden war, dass man eine lektion erteilen wollte, und falls die anderen es als provokation auslegen würden, man sich darüber im klaren sein sollte, dass die einzige konsequenz eine weitere lektion sei.
"die einzige konsequenz ist krieg. weltkrieg. eine der beiden seiten muss aufhören lektionen zu erteilen. das wäre die erste wirksame lektion." manchmal überlegte sean, ob es überhaupt noch nötig sei, seiner zukunft soviel interesse, zeit und arbeit zu widmen. er zweifelte an der existenz seiner zukunft, doch im endeffekt konnte er sich nicht vorstellen, dass es wirklich passieren würde, und aus diesem grund, oder war es ignoranz, verlieh er seiner zukunft eine basis, die diese benötigte. hendrik setzte sich hinter sean und sah zu wie dessen programm nach den letzten werten der 2000-einwohner-stadt fragte. sean verlieh der stadt eine indrustriedichte von sechzig prozent, und dann wartete er mit seinem freund.
als nach zehn minuten noch keine errechneten werte auf dem schirm erschienen, unterbrach sean das programm, und sah sich den analysierenden teil seines programms ein weiteres mal genau an, ohne jedoch den fehler sofort zu entdecken. in solchen fällen pflegte er einfach das programm noch einmal zu starten, und zu warten, ob der fehler ein zweites mal erschien. jemand der viel mit einem computer arbeitet, denkt logisch, und ein programm arbeitet logisch. so war es eigentlich unsinnig, zu denken, der fehler könnte dieses mal nicht eintreten. sean wusste das natürlich, aber manchmal versucht man einfach, der logik zu trotzen.

axel maline war pilot. er flog einen todesengel. vor zwei stunden wurde alarmbereitschaft befohlen. so musste seine familie allein zu abend essen. der anruf kam, als seine frau gerade die bratkartoffeln aus der pfanne nahm. durch die kritische lage hatte er sich natürlich darauf eingestellt und mit maureen darüber gesprochen. geglaubt hat er allerdings nicht daran. er ging aus dem haus, nachdem er seiner tochter und seiner frau einen kuss gegeben hatte und stieg in seinen wagen ohne ein letztes wort mit ihnen zu sprechen. es war überflüssig geworden.

vor dem hintergrund des blauen himmels schwebte sie wie ein inbegriff aller ängste, die ein mensch (mensch) haben kann. eigentlich war es nur eine angst, und im schatten dieser angst waren alle anderen ängste illusionen aus einer welt, in der es eigentlich keine wirklich angst gibt. von unten schien es als würde sie sich mit einer penetrant langsamen geschwindigkeit demonstrieren wollen, als wollte sie sagen: "ihr braucht keine angst mehr zu haben, ihr müsst nur noch warten."
alex gedanken waren nur noch fetzen eines gewissens, morbide brocken des selbstmitleids und dunkle klumpen der angst; umwoben von den feinen fäden, die aus seinem realitätssinn bestanden, der ausschloss, was er gerade erlebte. dann plötzlich rissen die fäden und er flog den bomber mit einer apathischen präzision.
die anderen soldaten dachten (dachten?) nicht anders, und sie würden in wenigen minuten ähnlich apathisch handeln. ein gehorsam der zum ungehorsam werden würde, wenn die angst nicht alles im hirn blockierte.

mit einer mischung aus befürchtung und begeisterung beobachtete der mann, wie sich die elemente mehr und mehr selbständig machten. sie entschieden selbst über die datenstruktur der toten elemente in ihrer umgebung. er hatte ein perfektes programm entwickelt, vielleicht zu perfekt. die elemente generierten strukturen, um sich über den unendlich gross scheinenden raum an speicher bewegen zu können. die strukturen wurden immer perfekter und schneller. der alte war stolz, denn alles entwickelte sich aus seinem werk.

sean konnte nicht glauben, was er sah. der schirm seines computers flimmerte und flackerte in einer art, die nur einen schluss zuliess. sein programm hing in irgendeiner schleife der analyse-routine fest und wollte ihn nicht mehr an sich heran lassen. seine gedankenarbeit der letzten fünf stunden war verloren. ein aufwand, den sich niemand vorstellen kann, der noch nie intensiv programmiert hat. er sah zu hendrik, der plötzlich zu lachen begann und nachdem auch sean recht amüsiert, aber noch immer mit nicht-glauben-wollenden augen auf den schirm starrte, sagte sein freak-freund: "da siehst du es wieder. die computer machen immer was sie wollen, nicht was wir ihnen befehlen. ihre logik übertrifft unsere um längen."
sean gab grinsend zurück, dass die maschinen trotzdem immer einen schritt hinter dem menschen stehen würden, den menschen können fühlen. erst ein perfekter computer in der hand eines wesens mit gefühlen kann eine perfekte verbindung werden, die den menschen allein in allen seinen fähigkeiten zerschlägt. eine perfekt mächtige verbindung (genesis). perfekt gefährlich.

ein donnern begleitete das schwarze monstrum, der nicht von ihm zu stammen schien.

irgendwann hörte der mann auf dem thron auf, die daten zu manipulieren und schaute nur noch zu, wie sein programm lief und immer neue elemente und strukturen entstanden. er hatte nie darüber nachgedacht, was die konsequenz wäre, wenn der speicher des universums die anzahl der prozesse nicht mehr fassen könnte, wenn das programm an eine grenze stossen würde, die auch für ihn unvorstellbar war.

alex hörte die befehle die den soldaten im bomber gegeben wurden. auf dem radar war es nur ein punkt, der mit einen mal auftauchte, wo er eben noch die luft in stücke riss. alle sahen warum der himmel schrie. er liess fallen, was er nicht fallen lassen wollte, und kreischte in verzweiflung. dann war alles still. der embryo, der aus dem bauch des bombers geboren wurde, fiel lautlos, und in einer höhe, die ihm vorbestimmt war, würde es seine aufgabe erfüllen.

sean kannte die tasten, die seinen computer wieder zu einem leblosen wesen werden liessen. er hatte sie oft drücken müssen. jedesmal fühlte er, wie er die energie, die für die schöpfung eines kleinen, manchmal auch aufwendigeren programms benötigt wurde, auslöschte.

mit zittrigen händen legten sich die hände des alten mannes auf die tasten. sein programm hatte elemente (menschen) geschaffen, wie sie perfekter nicht sein konnten. elemente mit bewusstsein und gefühlen. aber sein computer konnte all diese emotionen, negativ und positiv, nicht mehr verarbeiten. sein programm begann sich zu zerstören. mit einer geschwindigkeit, die nur die erste programmschleife erreicht hatte. eine fast leere schleife.

er wusste, dass er eine fehlermeldung nicht ertragen würde. seine finger drückten die tasten bis zum anschlag herunter. dann starb der alte mann.

die energie wurde nicht ausgelöscht und fliesst in einer dimension ohne zeit und raum.

ende

born: 18.11.2007

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streikt doch mal für die menschen!

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