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marathon

nummer 66

richard green lief und lief. die startnummer wehte über seinem nike t-shirt. es war die nummer 66. er fühlte sich weder schwach noch müde. er verspürte weder hunger noch durst. all das würde erst kommen, wenn er das ziel erreicht hatte, wenn er als erster das privileg hatte, das zielband zu zerreissen. er hatte keine ahnung, wie lange er noch laufen musste. seinem gefühl nach, konnte hinter jeder kurve das publikum stehen, das ihn als sieger feiern würde. er wendete seinen blick von seinen füssen, die in monotonem rhythmus auf den asphalt traten, ab und sah nach vorne. in drei, vielleicht vierhundert metern entfernung die nächste kurve. dann richteten sich seine augen wieder...

...auf das glas martini, das er mittlerweile dreimal aufgefüllt hatte. er war einfach nicht dazu im stande, der frau, die mit im zimmer sass, in die augen zu sehen. "...und der preis den ich dafür bezahle? was muss ich machen?", fragte er sie, und sie stellte ihr glas auf den tisch. eine typische geste von jemandem, der sich von allem frei machen will, um sich auf das zu konzentrieren, was er in kürze sagen will. "sie leihen ihm während des laufes ihre seele..."
mit einem kräftigen schluck leerte er sein glas und stand auf, um...

...die tür zu öffnen. es war mittlerweile viertel nach zehn, und er fragte sich, wer ihn noch so spät in seinem hotelzimmer aufsuchte. vor drei tagen war er angekommen, um an dem jährlichen 55 meilen marathon teilzunehmen. in erster linie wollte er sich selbst etwas beweisen. andererseits dachte er an das triumphgefühl, das er empfinden würde, wenn er seiner frau nach dem lauf von einer guten plazierung erzählen konnte. er wollte allen zeigen, dass er mit seinen 43 jahren immer noch fit war, und mit einigen freunden hatte er sogar um fünfhundert dollar gewettet, dass er unter den ersten fünfzig landen würde. jetzt war er in dem hotel, und in zwei tagen würde der marathon beginnen. er war nicht nervös, er wollte einfach nur gut laufen, wirklich gut laufen.
vor seiner tür stand eine fremde frau, die ihn sofort in ihren bann gezogen hatte. "darf ich eintreten?", fragte sie richard, und trat ein, ohne auf eine reaktion zu warten. sie stellte sich nicht und vor bat ihn um ein kurzes gespräch. - meinetwegen kannst du jahre bleiben - dachte er und bat ihr einen drink an. "ich trinke was sie trinken." dann folgte das gespräch:
"ich bin gekommen, um ihnen einen handel anzubieten."
"was wollen sie von mir?"
"ich möchte nichts von ihnen, er hat mich zu ihnen geschickt."
"er?"
"später. zuerst einmal werde ich ihnen erzählen, was er ihnen bietet. sie nehmen am marathon teil, ist das war?"
"ja. woher wissen sie..."
"und es bedeutet ihnen viel, weit vorne zu laufen und einen guten platz zu erringen."
(richard green nickte)
"sein angebot: sie werden laufen, aber ihr körper wird nicht ermüden. es wird keine schwächephasen geben, und sie werden weder hunger noch durst verspüren. natürlich werden sie schwitzen, aber sie werden laufen und laufen."
"das ist...

...unmöglich. der teufel schickt sie."
"ja.", gab sie nur kurz zurück, und an dem ton erkannte er, dass er die wahrheit voll erkannt hatte.
"wenn sie es so nennen wollen." (sie lächelte, und plötzlich hatte er angst). "keiner wird vor ihnen sein, und wenn sie das ziel erreichen, wird man ihnen als sieger zujubeln. sobald sie..."
"moment mal.", unterbrach richard, "der teufel leiht sich beim startschuss meine seele, und wenn ich durch das ziel laufe, bekomme ich sie zurück?" "genau so, wie sie sie ihm gegeben haben."
"und wenn ich 'nein' sage?"
"dann werde ich gehen, und sie werden übermorgen einer von vielen sein, die irgendwann einmal über die ziellinie stolpern. überlegen sie es sich.", sagte sie, als ob sie es schon tausendmal gesagt hätte. (wie eine versicherungsvertreterin, dachte richard, und lächelte innerlich.)
sie stand auf. "warten sie!". er dachte an seine frau. an seine freunde. die wette war ihm plötzlich egal. er dachte nur noch an die verblüfften gesichter, die ihn zuhause empfangen würden. "ich mache mit. (kurze pause) wie wird der vertrag besiegelt?"
"mit mir." antwortete sie, und plötzlich wurde richard sich voll bewusst, wie er ihren körper begehrte.

der pakt

ihre haut war glatt und weich. seine hände berührten jede stelle ihres körpers. sein zeigefinger fuhr über ihren mund, und sie küsste seine fingerkuppe. mit daumen und zeigefinger massierte er zärtlich ihre brustwarzen. seine handflächen glitten langsam ihre hüften hinunter, fast ohne sie zu berühren. seine finger richteten ihre schamhaare auf, als er immer näher an sein ziel gelangte. dann hatte er das ziel erreicht (...ziel erreicht...). unter dem leichten druck seines mittelfingers öffneten sich ihre schamlippen. sein finger bahnte sich vorsichtig, aber bestimmt seinen weg durch die warme feuchte spalte. der geruch ihres geschlechts erfüllt den raum. "mach das licht aus!", sagte sie keuchend. er stand auf, löschte das licht und legte sich zu der frau, die der teufel gesandt hatte.
sie liebten sich wild und leidenschaftlich. richard wusste, dass nur eine vom teufel gesandte frau so lieben konnte. kurz nach ihrem ersten orgasmus sagte sie mit dem beben der erregung in ihrer stimme: "du hast einen pakt mit dem teufel geschlossen."
die dunkelheit liess ihn nicht erkennen, was er tat. als er am nächsten morgen aufwachte, war sie verschwunden. er hatte unzählige orgasmen erlebt. er dachte über die nacht nach und fragte sich, wie oft...

...er schon gehofft hatte, hinter der nächsten kurve das ziel zu sehen. er hatte keine ahnung, wie lange er schon lief. er hatte die sonne auf- und untergehen sehen. immer wieder. es war kälter als an dem tag (woche, monat), an dem der startschuss gefallen war. er hoffte, dass alles ein ende hätte, bevor der winter über das land fiel. er lief und lief...und er schwitzte...
gleich würde er sehen können, was hinter der kurve lag.

ende

born: 18.11.2007

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