das gedicht
der wald
irgendwo auf der welt gibt es einen sehr grossen wald. niemand weiss genau, wo dieser wald ist, aber es gibt eine geschichte, die diesen wald berühmt gemacht hat. und jeder der die geschichte kennt, träumt davon, diesen wald einmal in seinem leben zu sehen. alle glauben fest daran, dass die geschichte wirklich passiert ist; und jeder mensch und jedes tier hofft darauf, selbst einmal ein ähnliches abenteuer in diesem wald zu erleben. für die meisten ist es der grösste wunsch ihres lebens. deshalb nennen ihn auch alle den 'lebenswald'.in dem wald leben viele tiere. doch noch nie hat es ein mensch geschafft, den lebenswald zu finden. und wenn ein mensch in die augen eines hundes, pferdes, oder eines anderen tieres schaut, dann sieht er manchmal die traurigsten augen, die es überhaupt geben kann. in solchen momenten träumt das tier vom lebenswald und möchte dorthin zurück. aber es hat den weg vergessen, den es sich nur mit dem herzen merken kann. und irgendwann in der vergangenheit ist das herz dieses tieres zerbrochen.
es möchte zurück auf die felder, auf der blumen wachsen, die so schön sind, dass kein tier es wagt, sie anzurühren. viele haben lange dort gesessen, die blumen bewundert, und dabei lieder gesungen, die allein durch ihre wundervolle melodie im ganzen wald zu hören waren. ab und zu kamen dann alle tiere herbei, gesellten sich dazu, und sangen zusammen bis die sonne hinter den bäumen unterging; manchmal sogar noch bis in die tiefe nacht hinein.
andere tiere wünschen sich, noch einmal auf einem der hohen berge zu stehen und den ausblick zu geniessen. von dort oben konnte man an sonnigen, klaren tagen - und davon gab es viele im jahr - fast bis an das ende der welt sehen. der anblick war so überwältigend, dass man nicht nur das gefühl hatte auf die welt, sondern in die welt zu schauen. es war, als ob man alle freude und alles glück, das darin verborgen lag, mit dem herzen sehen könnte.
wieder andere tiere sehnen sich nach den teichen und seen, die im ganzen wald verstreut lagen. das wasser darin war nie kalt, doch an heissen tagen war es immer kühl genug, damit die tiere sich erfrischen konnten. es gab keine gefährlichen strömungen, keine unerwarteten tiefen und niemals hat ein tier etwas auf dem grund der gewässer gefunden, was dort nicht hingehörte. wenn ein tier am rande einer dieser seen stand, um von seinem reinen wasser zu trinken, spiegelte sich sein gesicht so klar an der oberfläche, wie in keinem kristall, das jemals gefunden wurde.
aber tief in den gebrochenen herzen aller tiere, die den weg vergessen haben, gibt es nur einen wunsch, einen traum: sie möchten zurück zu ihren freunden. denn ohne diese wäre das leben im lebenswald vielleicht schön gewesen, aber nicht so wie es sein konnte: zauberhaft.
und von allen geschichten, die sich dort zugetragen haben, soll nun die zauberhafteste erzählt werden...
der bär
intor, der fuchs, sah kurz auf das schild, dass neben dem höhleneingang hing. es war aus holz und schon ziemlich alt. doch man konnte noch erkennen, dass die vier buchstaben mit viel sorgfalt eingeritzt worden waren. auf dem schild stand staa.es war schon einige zeit her, dass er seinen freund besucht hatte. vor ein paar tagen war ein sperling zu ihm nach hause geflogen gekommen um ihn zum fest bei den silberbäumen einzuladen. daraufhin hatte er sich mit seinem bruder auf den weg gemacht; und nun war er wieder hier.
er sah sich auf der kleinen lichtung vor der höhle um und stellte fest, dass sich kaum etwas verändert hatte. der dicke ast, auf dem sich staa oft versteckt hatte, wenn sie gemeinsam spielten, war abgebrochen und lag nun am fusse des hohen baumes. in den büschen war mittlerweile eine zweite lücke, von der ein zweiter pfad in den wald führte. als er zum letzten mal hier war, gab es nur einen pfad; den über den sie heute gekommen waren. alles in allem sah es aber noch genauso aus, wie er es in erinnerung hatte.
"komm schon, lass uns hineingehen." fido, sein bruder, stand bereits im eingang und sah ihn mit ungeduldigen augen an.
"ist ja gut, ich komme." mit einer mischung aus freude und aufregung verliess er das tageslicht, um die dunkle höhle zu betreten.
das ruhige schnaufen lies darauf schliessen, dass er noch schlief. intor hob eine kralle vom boden, legte sie langsam vor seine spitze schnauze, und hauchte leise. fido nickte verhalten, und deutete mit seinem kopf in richtung ausgang. vorsichtig drehten sie sich herum, um die höhle zu verlassen. vor der höhle, als sie sich sicher waren, dass er sie nicht mehr hören würde, fragte fido:
"wollen wir später noch einmal herkommen?"
"natürlich. ich möchte ihn gerne wiedersehen." antwortete intor.
"dann schau' doch einfach her!" brummte eine tiefe stimme aus dem höhleneingang. da stand staa, der grosse braune bär. auf seinem gesicht spiegelte sich genau die gleiche überraschung wieder, wie intor sie empfand.
"intor" brummte der bär und richtete sich vor freude auf. dabei stiess er sich jedoch den kopf an der etwas zu niedrigen felsdecke und stöhnte laut auf. intor und fido sahen sich an, zögerten etwas und dann lachten sie laut.
"findet ihr das lustig?" fragte staa mit gespielt gequälter stimme.
"nein, aber ich glaube du hast dich nicht verändert." antwortete intor, "lass uns hineingehen."
und während staa, der bär, vor ihnen hertaumelte, mussten intor und fido immer noch kichern.
spät am abend, nachdem sie sich ununterbrochen geschichten voneinander erzählt hatten - zum grössten teil redeten nur intor und staa; fido hörte meistens interessiert zu - verabschiedeten sie sich vor dem höhleneingang. es sollte nicht mehr lange dauern, bis die sonne unterging und der mond dem wald seinen silbernen glanz verlieh.
intor sah hoch zu seinem grossen freund: "bis morgen. ich freue mich schon auf das fest. mir fällt bestimmt noch eine ganze menge ein, was ich dir dann erzählen kann."
"hoffentlich finde ich dort jemanden, der sich auch mit mir unterhält." bemerkte fido mit einem grinsen und ging zum pfad.
"schön, dich wiedergesehen zu haben." staas stimme schien durch das lange gespräch noch tiefer geworden zu sein. er blickte intor kurz in die augen und drehte sich dann herum, um in seiner höhle zu verschwinden.
"ja, schön", flüsterte intor und wandte sich dem pfad zu, auf dem sein bruder bereits ein kleines stück zurückgelegt hatte. seine augen blieben kurz auf dem zweiten einschnitt in den büschen haften.
"warte doch auf mich!" intor lief hinter seinem bruder her, bis er ihn eingeholt hatte.
und so gingen die beiden nebeneinander den pfad entlang.
kurz bevor sie die grosse silberlichtung erreichten hatte der mond den platz der sonne eingenommen. und noch etwas später lagen sie beide in der kleinen höhle, die sie sich tagsüber gebaut hatten, um vorübergehend darin zu wohnen. intor lag lange wach. er dachte über die dinge nach, die staa im erzählt hatte.
als seine mutter voller freude feststellte, dass sie ihm - intor - einen bruder oder eine schwester schenken würde, hatten seine eltern beschlossen, dass sie noch vor der geburt eine grössere höhle bauen sollten. zu diesem zweck wollten sie in das tiefe tal ziehen. für den jungen intor war es ein abenteuer, mit seinen eltern durch den wald zu reisen. ein abenteuer auf das er sich freute. doch in das tiefe tal zu ziehen bedeutete auch, die silberbäume zu verlassen. den teil des waldes, wo er gross geworden war. den teil des waldes, in dem auch sein allerbester freund lebte. staa, der bär. der abschied barg viele tränen, und immer wenn sie in den letzten gemeinsamen tagen ihrer kindheit miteinander herumgetollt hatten, verbrachten sie die letzten minuten des tages damit, sich zu versprechen, dass sie einander bei jeder gelegenheit besuchen würden. doch zwischen den silberbäumen und dem tiefen tal lag ein weiter weg, und nur einmal in der langen zeit hatte intor diesen zurückgelegt, um seinem alten freund von seinem neuen zuhause zu erzählen.
nun war er ein zweites mal gekommen. egal wieviel zeit vergangen war: er spürte immer noch das gefühl der tiefen zusammengehörigkeit. er war froh.
als intor staa zum ersten mal besucht hatte, waren dessen eltern bereits gestorben. doch er lebte nicht allein. bei ihm wohnte kari. seine frau. intor konnte nicht sagen, ob sie hübsch war; er fand alle bären zu gross und zu dick. auf jeden fall war sie sehr nett. sie machte ihm und staa etwas zu essen, während sie sich unterhielten und störte die beiden nur einmal, um ihnen 'gute nacht ' zu sagen. intor bedankte sich für das essen und wünschte ihr ebenfalls eine gute nacht. staa kraulte ihr kurz, aber liebevoll den nacken. dann verschwand sie in ihrer schlafhöhle. die beiden freunde redeten und redeten. erst als die ersten strahlen der sonne zum eingang hinein schienen waren sie so müde, dass es keinen sinn mehr hatte. ein zweiter schwerer abschied fand statt.
als staa nach seinem langen bärenschlaf aufwachte, hatte sich intor bereits auf den weg nach hause gemacht. in das tiefe tal.
intor dachte über die traurige geschichte nach, die staa ihm am heutigen tage erzählt hatte.
kari und staa lebten etwas abseits vom regen waldleben in ihrer höhle. aber staa erzählte, dass sie sehr glücklich miteinander waren. sie gingen gemeinsam beeren pflücken, besuchten die bienen, um deren honig zu naschen und setzten sich regelmässig auf den grossen felsen über ihrer höhle, um um die wette zu brummen. staas augen waren sehr traurig, als er intor und fido anvertraute, dass er und kari an einem abend ein paar tropfen honig dort mit hingenommen hatten, um den felsen 'brummfelsen' zu taufen.
eines tages kam kari nicht vom beerenpflücken zurück. staa hatte die ganze nacht gewartet und brach am nächsten tag auf, um nach ihr zu suchen. doch er fand sie nicht. weder bei den beerenbüschen, noch am blumensee. nicht beim alten mondbaum, an dem sie oft sassen und das mondlicht bewunderten, dass durch die blätter wie gold - wie honig - schien. er fand sie nicht. am abend ging er bei allen tieren vorbei, die er kannte. olsen, dem hasen. brak, dem wildschwein. rol, dem wolf. sogar bei flor, dem stinktier. keines hatte kari gesehen. traurig ging er zurück zu seiner höhle. die gesamte nacht sass er auf dem brummfelsen, weinte leise und brummte laut. in der hoffnung aus irgendeiner richtung eine antwort zu bekommen. viele tiere in der nähe - und manche weiter entfernt - konnten in dieser nacht nicht schlafen, weil staa so bitterlich brummte. aber keines war ihm böse. als die sonne aufging lag staa auf dem brummfelsen und schlief. mit gebrochenem herzen.
nur der traum den er in dieser nacht hatte, bewahrte ihn davor, den lebenswald zu verlassen. sonst wäre er heute ein bär in einer anderen welt, dessen traurige augen niemand wirklich verstehen würde. er träumte, kari hätte sich verlaufen, und konnte den weg nicht finden, der sie zurück zur höhle führte.
noch am nächsten morgen begann er den zweiten pfad in die büsche zu schlagen. er riss ein loch in das dichte gebüsch am rande der lichtung vor der höhle, und bahnte einen pfad durch den wald, der einmal ganz um die höhle ging. egal aus welcher richtung kari kommen würde, diesen pfad würde sie finden.
doch staa sah kari nie wieder. und er wollte sich nie wieder auf den brummfelsen setzen.
viel zeit verstrich, und zeit heilt alle wunden.
staa lernte, ohne kari zu leben.
das fest
intor und fido waren gegangen. das erzählen hatte staa all die erinnerungen an kari zurückgebracht. natürlich war er traurig. aber er war auch froh und dankbar für die zeit die er mit kari verbracht hatte. als intor wach in der notdürftigen höhle lag und an die geschichte seines freundes dachte, sass dieser zum letzten mal in seinem leben auf dem brummfelsen, um sich endgültig von kari zu verabschieden. er brummte ein lautes und langes bären-auf-wiedersehen. viele tiere wachten kurz auf, und manche erinnerten sich an die nacht, als staa um seine frau trauerte.am folgenden abend fand das fest bei den silberbäumen statt.
alle tiere kamen und es war ein berauschendes fest. intor, fido und staa verbrachten einen lustigen abend miteinander. intor traf viele freunde aus seiner jugend. fröhlich und ausgelassen wurden den ganzen abend lieder gesungen und beim grossen finale tanzten alle gemeinsam den traditionellen silbertanz.
als fast alle gegangen waren, um in ihren höhlen, nestern und baumlöchern die letzten stunden der nacht zu schlafen, verabschiedeten sich intor und fido, die füchse, von staa, dem bären. sie wollten am frühen morgen aufbrechen, da ihre eltern schon sehr alt waren, und ihre hilfe brauchten. und da sie wussten, wie lange bären schlafen, sagten sie eben jetzt schon "auf wiedersehen".
dieses mal war es kein trauriger abschied.
auf seinem weg zur höhle fühlte sich staa etwas allein. doch er empfand es als undankbar. er hatte freunde. egal wo sie waren. ob nah. ob weit.
die eule
staa stampfte müde über seine kleine lichtung, als ihn jemand rief."hallo du. bär. hier oben."
auf dem hohen baum mit dem abgebrochenen ast sah er eine schemenhafte gestalt.
"ja, hier."
"bist du eine eule?" fragte er mit zurückgelegtem kopf.
"und ob ich eine eule bin. war auch auf dem fest. habe dich gesehen." krächzte die eule.
"ich dich aber nicht." entgegnete staa.
"habe auch die ganze zeit in einem baum gesessen und nur zugeschaut. kannte niemanden." jetzt war die stimme der eule etwas betrübt.
"hier kennt jeder jeden. bist du neu, hier in den silberbäumen."
"ja, ich komme von der felsenwiesen. da waren so wenig bäume. habe mich auf den weg gemacht, und als man mir von den silberbäumen erzählte, wusste ich: da will ich hin. bin gestern angekommen. wohne jetzt in dem baum, den hier alle 'langer lalutsch ' nennen."
"langer lulatsch" erwiderte staa amüsiert.
"egal ob lalutsch oder lulatsch. ich finde ihn schön." gab die eule ein klein wenig störrisch zurück.
"warum bist du hier? bei mir?"
"hast sehr lustig getanzt." dieses mal klang die eule amüsiert.
"machst du dich etwa über mich lustig?"
"nö. hat mir wirklich gefallen. du warst der einzige, der nicht ganz so müde schien. habe langeweile."
"es ist spät. ausserdem bin ich müde. und noch ausserdemer bekomme ich einen steifen nacken, wenn ich noch länger zu dir hoch sehen muss." staa versuchte, nicht zu mürrisch zu klingen. er war froh jemanden neues kennenzulernen.
"habe schon verstanden. will auch nicht stören. darf ich dich morgen besuchen?"
"gerne. aber muss du nicht schlafen. ich mein tagsüber."
"eigentlich schon, mache aber eine ausnahme für dich."
"oh, danke schön." ironie lag in der stimme des bären.
"bitte schön." die eule schien es ernst zu meinen. "gute nacht, bär. bis morgen."
"gute nacht." staa ging in den höhleneingang.
"warte bär!"
staa blieb stehen: "was denn noch."
"ich heisse bijou."
"mein name ist staa. gute nacht, bijou."
"gute nacht, staa. ich freue mich auf morgen." dann hörte staa, wie bijou, die eule, in die nacht davonflog.
bevor er einschlief, stellte er fest, dass er sich auch auf den nächsten tag freute.
staa und bijou
wie versprochen kam bijou ihn am nächsten tag besuchen. sie hatte müde augen. ansonsten machte sie auf staa jedoch einen recht lebhaften eindruck. sie beschlossen durch den wald zu wandern, das heisst: zu wandern und zu fliegen. sie hatten einen schönen tag. staas befürchtungen, dass ein bär und eine eule wenig gemeinsam hatten, lösten sich im laufe des tages in luft auf. bijou erzählte staa, wie es dort aussah, wo sie herkam, und staa erzählte bijou alles über die silberbäume. wenn staa einen beerenbusch fand, von dem er naschen wollte, machten sie rast. bijou flog dann hoch hinaus, um zu sehen wo sie als nächstes hingehen könnten. staa war es ziemlich egal. er kannte jede stelle bei den silberbäumen. er war einfach froh, nicht allein zu sein. die eule war eine angenehme begleitung.am ende des tages gaben sie sich gegenseitig zu verstehen, dass es ihnen sehr viel spass mit dem anderen gemacht hat. das sie sich bald wiedersehen sollten, war staas idee.
sie lernten sich von mal zu mal besser kennen. nach einigen gemeinsamen tagen, als sie wieder einen waldweg entlang zogen, rief staa bijou zu sich herunter.
"weisst du. ich finde es ein bisschen doof, dass ich hier unten entlang schlendere, während du da oben von ast zu ast ziehst."
"ja und?" fragte bijou neugierig.
"wenn du möchtest, kannst du dich auf meine schulter setzen. dann können wir uns auch besser unterhalten." bot staa ihr an.
"das ist eine gute idee." nach ein paar flügelschlägen sass die eule bereits auf dem breiten bärenrücken.
"aua! pass ein kleines bisschen mit deinen krallen auf!" nörgelte staa.
"tut mir leid," bijou lockerte den griff, "besser so?"
"viel besser."
so zogen sie weiter. staa, der bär, und bijou, die eule, kamen sich näher.
den gegensätzlichkeiten von bären und eulen zum trotz, verbrachten sie viel zeit miteinander.
für jeden tag, den bijou nicht schlafen ging, blieb staa eine nacht auf.
wenn staa bijou lange getragen hatte, was er eigentlich kaum merkte, suchte sie ihm einen satten busch voller beeren, indem sie über den bäumen kreiste.
nach einiger zeit verliess bijou den "langen lulatsch" und zog in den hohen baum vor der bärenhöhle.
staa hätte niemals gedacht, dass er mit einer eule eine tiefe freundschaft eingehen könnte, doch nach monaten und jahren der gemeinsamkeit, konnte er sich nicht mehr vorstellen, ohne bijou zu leben. manchmal hatte er angst er könnte bijou genauso verlieren, wie er kari verloren hatte. dann aber ärgerte er sich über sich selbst. bijou war bei ihm, und sie passten gegenseitig auf sich auf.
dann, eines tages, fällten sie einen entschluss. die silberbäume waren nur ein kleiner teil des lebenswaldes. genau wie die felsenwiesen und das tiefe tal. sie wollten mehr sehen. die weissen berge, wo der schnee nie schmolz. den dunkle see, in dem die älteste schildkröte, chria, leben sollte. die helle grotte, wo es selbst in der nacht taghell war, weil dort unendlich viele glühwürmchen in der luft tanzten. die singenden gipfel, wo die singvögel ihre lieder lernten. und den brunnen der liebe, an dem sich jedes paar des lebenswaldes ewige freundschaft schwor.
noch am selben abend verabschiedeten sie sich von den anderen tieren. sie schliefen ruhig und fest in der letzten nacht bei den silberbäumen. am morgen weckte staa bijou, um ihr etwas zu zeigen. er bat sie, sich auf seine schulter zu setzen und ging mit ihr zu dem hohen baum neben seiner höhle. in der nacht war er aufgestanden. er hatte ein grösseres stück rinde des baumes abgeschält, und mit seinen tatzen ein gedicht in das weiche holz geritzt:
das gerücht
es gibt ein gerücht.
es heisst, dass es nur eine sonne gibt.
jeden morgen geht sie auf. jeden abend unter.
ich aber, weiss es besser.
wenn eine sonne hinter den bäumen des waldes versinkt,
verabschiedet sie sich für immer.
die sonne am morgen wird neu geboren,
wie der junge tag, den sie begleitet.
die sonnen die nie untergehen, das sind meine freunde.
und die hellste von allen...
...das bist du.
s. für b.
es heisst, dass es nur eine sonne gibt.
jeden morgen geht sie auf. jeden abend unter.
ich aber, weiss es besser.
wenn eine sonne hinter den bäumen des waldes versinkt,
verabschiedet sie sich für immer.
die sonne am morgen wird neu geboren,
wie der junge tag, den sie begleitet.
die sonnen die nie untergehen, das sind meine freunde.
und die hellste von allen...
...das bist du.
s. für b.
epilog
bijou sah ihn mit tränen in den augen an. auch staa weinte ein wenig, weil er seine höhle, in der er so lange gelebt hatte, nicht wiedersehen würde. aber die aufregung ihrer reise sorgte dafür, dass er sich schon bald wieder besser fühlte. ausserdem tröstete bijou ihn mit ihren weichen flügeln. dann machten sie sich auf ihren langen weg.staa, der bär, und bijou, die eule, sahen auf ihrer abenteuerlichen reise durch den lebenswald alles, was sie sich erhofft hatten und mehr als sie sich jemals erträumten. staa vergass nicht, seinen freund intor zu besuchen. überall wo sie vorbeizogen überraschten sie die tiere mit der harmonie, die zwischen den beiden äusserlich ungleichen wesen bestand. sie erzählten vielen von ihrer reise. wo sie waren und wohin sie noch gehen wollten. keiner, der die beiden kennenlernte, hat sie jemals wieder vergessen.
und während diese geschichte ihr ende findet, schläft irgendwo im lebenswald unter irgendeinem baum oder in irgendeiner höhle eine eule mit über den augen gelegten flügeln auf dem rücken eines grossen braunen bären.
ende
[ © 94 . stefan freise ]
born: 18.11.2007